Im Gegensatz zum SCL-90-R, der die Befindlichkeit des Patienten in der zurückliegenden Woche erfasst, hat die VDS90 Symptomliste (Verhaltensdiagnostik-System) ein Screening mit nachfolgender Befunderhebung sowie Syndrom- und abschließender ICD-10-Diagnose zum Ziel. Dabei erfasst sie einige klinische Störungen, die in der SCL-90-R nicht erhoben werden: Alkoholismus, weitere stoffliche Süchte, Tics, Stottern sowie posttraumatische Störungen. Die psychopathologischen Phänomene (Depersonalisation, Derealisation, Neurasthenie, Schlafstörungen, Pavor nocturnus, Verhaltensrituale, Verhaltensstörungen, Aggression, Sexualstörung, Schmerzstörung, dissoziative Störung, Hypochondrie und Dysmorphophobie) werden vom SCL-90-R nicht direkt abgebildet und können den SCL-90-R-Skalen nur zugeordnet werden.
Aufgrund der geringen Anzahl der Skalen der SCL-90-R können zahlreiche klinische Störungen, nur durch die Kombination von zwei Skalen dargestellt werden, ohne das Spezifische der Störung zu erfassen. Dabei korreliert die SCL-90-R nur mäßig mit den Syndromen der Achse I.

Die VDS90 Symptomliste deckt mit ihren Syndromen einen sehr großen Bereich psychischer und psychosomatischer Symptome ab, sodass der Therapeut schnell erkennen kann, über welche Symptombereiche er mit dem Patienten sprechen muss ohne wichtige Syndrome, über die der Patient von sich aus nicht spricht, zu übersehen.

Folgende Tabelle enthält die 28 (27 + 1) Syndrome von Achse-I-Störungen und ihre Korrelationen mit den SCL-90-R-Skalen (sofern vorhanden). Die 13 wichtigsten Syndrome und der Gesamtwert sind fett gedruckt.

Es wurde Spearmans Rho als nonparametrischer Korrelationskoeffizient berechnet. Alle hier genannten Korrelationen sind auf dem Einpromilleniveau signifikant.

VDS90-Syndromkorreliert am höchsten mit SCL-90-R-Skala
SchizophrenieParanoidität 0,56, Psychotizismus 0,46
ManieParanoidität 0,34, Psychotizismus 0,25
Organische Syndrome (Gedächtnis, Konzentration)Zwang 0,61, Depressivität 0,45
DepressionDepression 0,81, Zwang 0,66
AngstPhobie 0,63, Angst 0,62
DepersonalisationDepression 0,43, Psychotizismus 0,41
DerealisationPsychotizismus 0,49, Phobie 0,45
NeurasthenieZwang 0,46, Psychotizismus 0,38
SchlafstörungenDepressivität 0,34, Somatisierung 0,30
Pavor nocturnusÄngstlichkeit 0,40, Somatisierung 0,36
VerhaltensritualeÄngstlichkeit 0,29, Zwang 0,24
VerhaltensstörungenDepressivität 0,32, Unsicherheit 0,30
Tics---
Stottern, Poltern---
AggressionAggressivität 0,56, Paranoidität 0,42
SexualstörungDepressivität 0,41
ZwangZwang 0,54
Alkoholismus---
Sucht---
EssstörungAggressivität 0,34, Depressivität 0,32
SchmerzstörungSomatisierung 0,51
Somatoforme StörungSomatisierung 0,71
Dissoziative StörungSomatisierung 0,43
HypochondrieÄngstlichkeit 0,36, Somatisierung 0,35
DysmorphobieDepressivität 0,40
Posttraumatische Störung---
GesamtwertGesamtwert SCGS 0,80

Die VDS90 Symptomliste ist als Selbstbeurteilungsinstrument für die ambulante Psychotherapiepraxis konzipiert. Der Fragebogen eignet sich als Alternative zum SCL-90-R und enthält zusätzliche Störungsbereiche, die beim SCL-90-R fehlen.

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Fragebogen

Screenshot vom VDS90-Fragebogen zum Beantworten für Ihren Patienten.

VDS90 Fragebogen

Auswertung

Die 13 wichtigsten Syndrome sowie der Gesamtwert erscheinen immer in der Auswertung. Die unwichtigen Syndrome werden nur dann eingeblendet, wenn ein Grenzwert von 1,0 überschritten ist.

Sie bekommen in Ihrem Therapeutenbereich von Psydix die Auswertung vom Fragebogen des VDS90 angezeigt (Screenshot: VDS90-Auswertung) und können diese zusätzlich als PDF-Datei zur Dokumentation im Praxisprogramm herunterladen (VDS90-Auswertung als PDF-Datei).

Die Darstellung der Auswertung erfolgt in Form einer Tabelle. In der ersten Spalte werden die Syndrome, in der zweiten der Score, in der dritten die Differenz des Scores vom Patienten zum Normwert, in der vierten der Prozentrang und in der letzten die Beurteilung des Schweregrads des Syndroms in Textform dargestellt. Zur leichteren Interpretation wird der entsprechende Text (Kein Syndrom, Leichtes Syndrom, Mittleres Syndrom oder Schweres Syndrom) eingeblendet.

Vorschau der VDS90-Auswertung als PDF zum Speichern im Praxisprogramm:

VDS90 Auswertung PDF Screenshot

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Interpretation

Zur Interpretation liegen Normwerte und Prozentränge vor, die zum Teil geschlechtsspezifisch sind. Der Fragebogen enthält ein Item zum Geschlecht, worüber die Werte der entsprechenden Stichprobe zugeordnet werden. Die Interpretation kann für jedes Syndrom durchgeführt werden, sodass angegeben werden kann, welches Syndrom in welchem Schweregrad nach Selbstbeurteilungsangaben vorlag.

Ein Patient kann mehrere Syndrome haben. Erst bei mittleren Syndromwerten wird eine ICD-10-Diagnose vergeben. In einer nachfolgenden persönlichen Befunderhebung kann erfasst werden, welches Syndrom vorliegt und welche Comorbiditäten existieren.

Weitere Informationen zu Auswertung und Interpretation der VDS90 Symptomliste enthält das Testmanual im geschützten Therapeutenbereich.

Literatur

Forschung, bei der VDS90 und VDS30 verwendet wurden.

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